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Auszug aus einem Interview mit Lothar Hirneise im November 2007
K.C. Das ist sehr interessant. Lassen Sie uns jetzt zu einem anderen Punkt kommen. Derzeit wird in Deutschland die so genannte Tavarlin Kost als eine erfolgreiche Öl-Eiweiß Kost propagiert. Was halten Sie davon?
L.H. Also ich möchte zu erst einmal sagen, dass ich den Erfinder der Kost, Dr. Johannes Coy schon länger persönlich kenne und ihn sehr sympathisch finde und er sicherlich ein guter Mensch ist. Doch auch liebe Menschen können sich irren.
K.C. Wie meinen Sie das?
L.H. Der Begriff Öl-Eiweiß Kost wurde von Frau Dr. Johanna Budwig geprägt und hat in den letzten 50 Jahren bewiesen, wie erfolgreich sie ist. Fast jedes Jahr höre ich, dass es jetzt eine verbesserte Form der Öl-Eiweiß Kost gäbe. Meistens ist es dann jedoch nur eine schwache Kopie von dem was Frau Dr. Budwig erfunden hat und man hat halt kleine Veränderungen gemacht um dem ganzen einen anderen Namen geben zu können. Das Tavarlin Konzept hat jedoch absolut gar nichts mit dem Konzept von Frau Dr. Budwig gemeinsam.. Ganz im Gegenteil, es ist eher das Gegenteil von dem was Frau Dr. Budwig sagte.
K.C. Können Sie uns das Ganze etwas genauer beschreiben.
L.H. Also zuerst einmal ist das Tavarlin Konzept dazu gedacht, dass Ärzte, Heilpraktiker und natürlich der Hersteller, die Evomed GmbH, durch den Verkauf von Produkte Geld verdienen. Dies halte ich für gefährlich, weil der eine oder andere Therapeut dadurch zukünftig seinen Krebspatienten nicht mehr erfolgreiche Ernährungstherapien wie Gerson oder Budwig verschreiben wird und stattdessen ein Ernährungskonzept, dass gegen vieles spricht, was wir heute über die Ernährung von Krebspatienten wissen. Weil jetzt viele daran verdienen wollen, ist es ja auch so teuer geworden (über 400 Euro pro Monat).
K.C. Was spricht denn dagegen?
L.H. Eine komplette Antwort darauf würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Doch jeder der sich mit Budwig beschäftigt hat, weiß wie wichtig Elektronenwolken sind und vor allem der Einfluss des Säure-Basen Haushaltes auf das Krebswachstum. Meiner Meinung nach machen die Protagonisten des Tavarlin Konzeptes gleich mehrere große Denkfehler. Erstens beachten Sie überhaupt nicht das Konzept der Elektronenwolken. Oder glauben Sie, dass in den Tavarlin Schokokeksen, in der Tavarlin Nuss-Nougat Creme oder in der Tavarlin Marmelade noch Elektronenwolken vorhanden sind? Zweitens ist der Fokus nur auf den Glukosestoffwechsel gerichtet. Dies ist nun wirklich nichts Neues und wurde schon oft versucht. Doch das Weglassen bzw. die extreme Reduzierung der Kohlenhydrataufnahme ist nicht die Lösung des Krebsproblems. Verschiedene Forscher haben das jahrelang vergeblich versucht und auch verschiedene Insulintherapien, bei welchen der Glukosestoffwechsel bis fast auf Null heruntergesetzt wurden, haben alle versagt. Krebszellen sind viel zu intelligent dafür. Drittens ist die extrem negative Beeinflussung der pH Werte durch das Tavarlin Konzept meiner Meinung nach sehr gefährlich für Krebspatienten. Alle großen Krebsforscher der letzten 50 Jahre haben sich gegen zu viele schnelle Aminosäuren ausgesprochen, egal ob Budwig, Issels, Koch, Kuhl, Wendt oder Seeger. Ich schließe mich deren Meinung an und finde ein Konzept in welchem Krebspatienten empfohlen wird Schweinefleisch, Salami und Hühnerei zu essen, kann man nur als katastrophal bezeichnen. Wörtlich heißt es dort: „Bei diesen Produkten bestehen keine Mengenbeschränkungen. Sie können diese Lebensmittel zum Sattessen und Genießen verwenden.“ Bei allem Respekt für Herrn Dr. Coy, aber da hört es für mich auf.
K.C. Aber betonen Sie nicht selbst die Wichtigkeit des Glukosestoffwechsels?
L.H. Ja, absolut, auch bei Budwig sind die schnellen Kohlenhydrate stark eingeschränkt. Doch man kann so etwas Kompliziertes wie den Zitronensäurezyklus und schon gar nicht intelligente Krebszellen austricksen, indem man einfach die meisten Kohlenhydrate weglässt, die leicht zu Glukose verstoffwechselt werden.
K.C. Ist damit das Tavarlin Konzept Ihrer Meinung nach gestorben?
L.H. In dieser Art und Weise sicherlich und ich rate jedem Krebskranken dringend davon ab. Ich finde dennoch die Grundidee von Dr. Coy sehr gut, bestimmte Zuckerarten auszutauschen um so den Glukosestoffwechsel von Krebskranken bzw. die Insulinausschüttung im Allgemeinen zu bremsen und wünsche mir, dass es eines Tages hier ein wirklich gutes Konzept mit diesen Produkten geben wird, theoretisch wäre es möglich.
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